Category: DIY

“Skate on Art” Produktionsnotizen

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Mit Martin von Converse habe ich schon mal vor Jahren über einen Slowmo-Skate Film gesprochen. Damals war es gerade trendy mit der Red Kamera auf 300 Bildern zu drehen. Nachdem wir dann eine andere Produktion auf der Red gedreht hatten habe ich den Gedanken schnell verworfen. Die Postproduktion war ein „pain in the ass“ und die Red war Geschichte für uns. Anfang Oktober kam Martin erneut mit der Idee um die Ecke. Da war also noch eine Rechnung offen zwischen mir, Martin, Skateboarding, dem Converse Team und der Zeitlupe. Highspeed wirkt oft wie eine Mischung aus Foto/ Film – es erlaubt die Komplexität und Energie von Skateboarding annähernd darzustellen. Ein perfekteren Spielplatz und Ansporn als Robertos Skulpturenpark konnte ich mir kaum wünschen. Wir packten also unsere Koffer und auf ging es gen Berlin in den Consspace ! Einen Eindruck vom Drehtag und mehr Hintergrundinfos gibt es im Making of Video weiter unten.

Idee/Regie: Vorrangig lag die Regieaufgabe darin mit den Skatern zusammen Tricks auszusuchen die in Zeitlupe gut aussahen, vom Timing passten und diese dann entsprechend schicken Bildern einzufangen.
Wir leuchteten jede Skulptur so aus dass Sie sich vom Raumkontext löste. Der Film soll wie ein Ausstellungskatalog wirken. Der Zuschauer soll Zeit haben sich mit der Skulptur zu beschäftigen.  Das Skaten ist eher im Hintergrund und der Skater kommt und verschwindet.

Produktion: Die Geschwindigkeit in der Preproduktion und der Produktion war  der totale Kontrast zum fertigen Film. Wir hatten Glück und konnten sehr kurzfristig die Tectum Crew mit einer Phantom Miro ins Boot holen. Torsten und Mitch waren begeistert von der Idee und haben auch direkt verstanden worum es mir ging. Während die Phantom Crew unter DoP Jan-Malte die Mastershots gedreht hat, hat 1st AC Gerrit Schnittbilder gesammelt – denn er weiss am besten was er im Schnitt braucht. Gerrit war nicht nur 2.ter Kameramann bei diesem Projekt, er hat auch den Schnitt übernommen.

Licht: Das war einfach und nichts besonderes: Grosse Lampen und Highspeed Vorschaltgeräte mussten her ! Die Phantom braucht viel Licht und kleine Lampen machen kleine Filme. Gaffer Ilan hat jedenfalls Spaß gehabt mit den etwas grösseren Lämpchen zu gestalten. Man darf dabei wirklich nicht zimperlich sein.

Postproduktion: Hier hatten wir die Wahl zwischen ProRes422 aus dem BM Deck oder den RAW Daten direkt aus der Phantom. Wir haben die Daten verglichen und uns dann für den schnelleren ProRes Workflow entschieden. Wir hatten ja keine Zeit!  Nach finalisierung ging es dann in Jan-Malte´s Davinci um einen knackigen und steilen Look in Davinci draufzudengeln. Die Miro spuckt schicke Bilder aus und die Zeissprimes lassen einem wenig Raum fürs nachschärfen. Zum Thema nachschärfen bei der FS700: Spielt damit mal in der Post herum , ihr werdet euch wundern was man für Ergebnisse erhält, vor allem bei dickerem Material. Schärfe, Kurve, Sättigung, Kontrast : Volle Pulle und nicht zu zimperlich sein. Da geht richtig was.

Soundtrack: Der Track „Fourth Wall von Hidden Orchestra ist mal wieder so ein Song den man eigentlich nicht im Schnitt nutzen sollte da man einen Lieblingssong verliert.

The Hidden Orchestra sind ein Quartett aus Edinburgh und verbinden Elemente aus Jazz, Klassik, Rock, Hip-Hip und elektronischer Musik zu absoluter awesomenes. –>  Unbedingt mal anhören !

Für mich war dieses Projekt  ein krönender Abschluss 2013. Das Projekt vereint Kunst, Skateboarding, Musik und Technik und somit vier Dinge die mich schon sehr lange begleiten und für die ich große Leidenschaften hege. Ein Riesen Danke an alle die mitgearbeitet haben und das Projekt ermöglicht haben !

Sculptures by Roberto Cuellar | Directed by Michel Lohmann | DoP:Jan-Malte Enning | 1st AC: Thilo Hauke | Creative Director: Ben Wessler | Gaffer: Ilan Sprafke |High Speed Operator: Torsten Schimmer | Data Wrangler: Mitch Bozzo | Edited by Gerrit Piechowski | Grading: Jan -Malte Enning

Production: Inga Schlüter | Production Assistant: Annika Haarmann
Phantom Miro System provided by Tectum Berlin
Making of: René Kästner & Mathäus Jagielski

Music: Hidden Orchestra – Vorka | Written and Produced by Joe Acheson.
P&C Tru Thoughts 2012 Published by Full Thought Publishing.
www.tru-thoughts.co.uk

Skaters: Danny Sommerfeld, Wilko Grüning, Norbert Szombati, Jost Arens, Björn Klotz, Allessandro Magnani, Filip Labovic, Dardan Sabovic, Daniel Krassowski,

THX: Sören Greb, Martin Stankiewicz, Holger Czysch, Angelika Lübben, Joni Wronn, Sandra Eichhoff, Frank, Marc Wösten, Aksel Picker

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D.I.Y or Die! Was ich vom Punk gelernt habe.

Alter, was haben wir damals für eine Scheiße in der Birne gehabt!
Denkst Du das auch manchmal wenn Du an deine Teenie Zeit zurückdenkst ? Ich hoffe es für Dich.

In dieser Zeit ging es bei uns nur um ein Ding: Punk! Was ist Punk? Was ist kein Punk? Wie können wir Punk machen, provozieren, gegen das System sein, uns lächerlich machen über Spießer und Normalos? Unter dem Deckmantel dieser Attitüde fanden sich wütende und vor allem enttäuschte Kids zusammen die sich im Alltag einer kleinen Stadt einfach nicht zurechtgefunden haben.

Ich hab mich immer fehl am Platze gefühlt in Emsdetten. Ich habe gemerkt: Ich gehöre nicht zu euch. Und ich war deswegen keineswegs froh, keine Spur von romantischem Outlaw Dasein. Ich war verwirrt, sehr unsicher und deswegen völlig überfordert in vielen Situationen. In der Schule hab ich schnell dicht gemacht und den Klassenterroristen gemacht. Ich habe es tatsächlich mal geschafft dass ein Lehrer einen Nervenzusammenbruch erlitt durch mich und mein Verhalten, aber das ist ne andere Geschichte. Heute heißt dieses Verhalten wohl ADS/ADHS und hätte es damals Ritalin gegeben wäre ich bestimmt ein Kandidat für die Höchstdosis gewesen. Ich war nicht unterfordert, ich hatte einfach keinen B-o-c-k ! Ich fand den Kindergarten schon scheiße und in der Schule wurde meine Abneigung gegen Autoritäten noch grösser. Ich war also schon Punk bevor ich das Wort überhaupt kannte. Ich entwickelte früh eine Skepsis gegenüber Menschen und Institutionen die mir Regeln aufzwingen wollten. Ich hab nie verstanden warum jemand von mir verlangen durfte dass ich dies oder jenen tun oder lassen soll. Bis heute nicht.

Punk, alter! Das war alles ganz anders. Ich wollte alles nur so machen wie es mir Spaß macht, wie ich dachte dass es richtig sei, ohne Regeln, aus dem Bauch heraus in your face. Das war ein ganz neues Gefühl: Eine Mischung aus aggressiver Wut, anarchischer und zerstörerischer Kreativität in Kombination mit Verachtung für die Masse. Das war der Cocktail den wir uns jeden Tag gaben. Wie das aber immer mit zu hohen Dosen ist: Auch dieser Trip wurde irgendwann stumpf und ich merkte auch in der dieser Welt gab es doch mehr Regeln und Gesetze als für mich ertragbar war. Bei der ganzen abfeierei von uns und der gleichzeitigen Abwertung anderer passierte nämlich was ich nie für möglich gehalten habe: Wir entwickelten uns zu den untoleranten Spießern die wir so verabscheuten in dem wir alles bewerteten, bzw. abwerteten. Die Zeit in der einem das bewusst wird nennt man dann wohl erwachsen werden. Scheiße man, das wollten wir doch nie, oder? Aber desto mehr man sich abkapselt in einer Welt und sich an diesem Bild festhält desto mehr verliert man den Blick für die Welt da draussen. Ich kenne Leute von damals die immer noch in dieser Welt hängen da sie sich nie getraut haben sich davon zu lösen. Einen sehr glücklichen Eindruck machen die nicht auf mich.

Ich hab mir vor kurzem den Film Dorfpunks angeschaut und gedacht dass ich in dem Film etwas von dem Gefühl finden kann welches mich vor 15 Jahren dazu gebracht hat mit Iro, Nietenkutte und Docs durch die Straßen zu laufen. Ich fand Dorfpunks abgrundtief schlecht und hab nix wiedergefunden. Der Film zeigt Punk wie ich ihn immer scheiße fand: Rumhängende Hippies die noch bei Mama wohnen und in einer grottenschlechten Band spielen, das geil fanden und es als Punk Attitüde sahen. Wir waren da anders. Wir waren in ganz Deutschland unterwegs auf Konzerten(gepennt wurde im Wartehäuschen am Bahnhof oder in einem Vorraum der Sparkasse – ich war ja Kunde!), haben überall Leute kennengelernt und wieder getroffen, wir haben ´ne Band gehabt, haben viel zu wenig live gespielt, haben Demos und Alben aufgenommen, haben selber Fanzines mit Schreibmaschine geschrieben und diese mit Prittstift und Schere layoutet.
Wir sind Skateboard gefahren, haben bei der Stadt für eine Halfpipe gekämpft (das dümmste damals überhaupt, sorry Anders), haben Tapesampler gemacht und verkauft. Wir waren aktiv. Wir haben den Arsch hochgekriegt und Action gemacht. Wir haben Arsch getreten und haben und nicht in den Arsch treten lassen.

Wir haben also nicht nur rumgemosert, wir waren aktiv – nicht immer mit den besten Ergebnissen, aber wir haben auch immer dazugelernt. Progression. Unsere Wut konnten wir so nicht nur in der Musik kanalisieren, wir konnten uns auch kreativ austoben, abseits von Mainstream und Konformität. Da war niemand der gesagt hat: Hey das geht so nicht, das müsst ihr so machen. Wir haben uns einfach hingesetzt und entschieden: Das wird jetzt so gemacht, auch wenn´s noch nicht perfekt ist – wir hauen es so erstmal raus, damit überhaupt mal wieder was passiert. Noch heute ertrage ich keine Leute die zulange rumdenken über ein Thema und Angst haben es sei noch nicht gut genug. Grauenhaft. Es geht immer besser und im Nachhinein fallen einen 100 Sachen ein die man besser hätte machen können. Lernprozess und so.

Wenn ich ehrlich bin kommt zu der Sichtweise bei mir auch ein großer Anteil Faulheit hinzu. Ich bin stinkfaul und kann mich nur zu Dingen motivieren die mir wirklich Spaß machen. Bis vor ca. 10 Jahren habe ich immer gedacht (ich hätte es natürlich nie zugegeben): Herr Lohmann, mit der Sichtweise wirst´e aber nicht so gut durchs Leben kommen und du musst jetzt endlich mal vernünftig werden. Zum Glück war das nur ein Zustand von vorübergehender Verwirrtheit. Denn ich habe gar nicht gemerkt dass ich schon längst dabei war meinen späteren Job zu lernen: Dinge fertig machen aka genug wahnsinnige finden um zusammen ein Projekt gemeinsam durchzuknallen. Das ist mein Beruf -> Meine Berufung: D.I.Y bin in den Tod !

Cock Sparrer haben das Kunststück vollbracht dieses TeeniePunkding in einen einen Song zu packen:

http://www.plyrics.com/lyrics/cocksparrer/becauseyoureyoung.html

Cock Sparrer spielen morgen hier in den Docks. Jetzt muss ich aber erstmal auf die PIRATELOVE X-Mas Party. Cheers, der Captain

Cheers!